Jun 16 – 18, 2022
Münster
Europe/Berlin timezone

Stakeholder- und Netzwerkanalyse eines schul- und familienbasierten Programms zur Prävention von Übergewicht

Jun 17, 2022, 12:30 PM
1h 30m
Ballsporthalle

Ballsporthalle

4| Poster Postersession

Speakers

Katharina Brauer Hagen Wulff Sabine Pawellek Alexandra Ziegeldorf

Description

Einleitung
Die steigende Adipositasprävalenz bei Kindern und die gesundheitlichen Folgen stellen das Gesundheits-, Sozial- und Bildungssystem vor Herausforderungen. Gemeindebasierte, multi-setting Interventionen unter partizipativem Einbezug relevanter Stakeholder erweisen sich zur Bewältigung dieses mehrdimensionalen Phänomens als vielversprechend (Brown et al., 2019). Um Einblicke in die komplexen Struktur- und Prozessmerkmale von Stakeholdernetzwerken des Programms „Familie+ - Gesundes Zusammenleben in Familie und Schule“ zu gewinnen, wird eine Netzwerkanalyse (NA) in zwei ländlichen [N1/N2] und einer städtischen Modellregion [N3] durchgeführt.

Methode
Relevante Stakeholder wurden in den Jahren 2020-21 mittels Expert:inneninterviews und Recherchearbeiten identifiziert und unter Verwendung stakeholderspezifischer Fragebögen in Anlehnung an Schoen et al. (2014) telefonisch befragt, um Schlüsselvariablen wie Kontakthäufigkeit und Intensität der Zusammenarbeit zu ermitteln. Im Zuge der NA wurden Merkmale wie Dichte, Zentralität und Verbundenheit analysiert und grafisch dargestellt.

Ergebnisse
Die drei Netzwerke [N1/N2/N3] umfassten 20, 14 und 12 Stakeholder und wiesen eine ähnliche Dichte (N1=48%; N2=52%; N3=42%) auf. Die Gradzentralität von N2 war um ein Drittel größer (0,39) verglichen mit N1 (0,57) und N2 (0,58). Alle drei Netzwerke unterscheiden sich in der Verteilung der Stakeholder hinsichtlich des Fachgebiets und struktureller Ausrichtung. Die Stakeholder tauschen sich durchschnittlich vierteljährlich aus und sind auch auf informeller Ebene miteinander verbunden.

Diskussion
Ausgehend von den Ergebnissen der NA scheint es unabhängig von der regionalen Struktur sinnvoll, kommunale Gesundheitsmoderator:innen einzusetzen, um relevante Stakeholder aus dem Bildungs-, Sport- und Gesundheitssystem in Projekte einzubeziehen und das Ziel der nachhaltigen Gesundheitsförderung anzustreben. Schulen haben zudem herausragende Relevanz, z.B. bei der effektiven Verbreitung von Informationen und der Vernetzung der Stakeholder. Die NA ermöglicht weiterführend die Auseinandersetzung mit grundlegenden pädagogischen Fragestellungen, die z.B. die Abbildung der Vernetzungsstruktur sowie zugehörige (Netzwerk-)Prozesse der Veränderung und des Wissenstransfers betreffen (Rehrl & Gruber, 2007), um eine intensive Auseinandersetzung aller Akteur:innen mit Gesundheitsförderung – in und über Grundschulen hinaus – anzuregen. 

Literatur
Brown, T., Moore, T. H. M., Hooper, L. et al. (2019). Interventions for preventing obesity in children. Cochrane Database of Systematic Reviews(7).
Rehrl, M., & Gruber, H. (2007). Netzwerkanalysen in der Pädagogik. Ein Überblick über Methode und Anwendung. Zeitschrift für Pädagogik, 53(2), 243-264.
Schoen, M. W., Moreland-Russell, S., Prewitt, K., et al. (2014). Social network analysis of public health programs to measure partnership. Social Science & Medicine, 123, 90-95.

Primary authors

Presentation materials