DH-Tag 2026

Europe/Berlin
JO101 (Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters "Religion und Politik")

JO101

Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters "Religion und Politik"

Johannisstraße 4 48143 Münster
Matthias Kayß (ULB / SCDH), Christian Wachter (SCDH Münster)
Beschreibung

Digital Humanities: Human Autonomy?

DH-Tag der Universität Münster 2026

Im Zentrum geisteswissenschaftlicher Arbeit steht traditionell der Mensch: Forschende ordnen menschliche Ausdrucksformen wie Literatur, Musik oder historische Quellen in relevante Kontexte ein, prüfen sie kritisch auf ihren Erkenntniswert und streben mithilfe von Interpretationen ein Verstehen der untersuchten Phänomene an. Dieser hermeneutische Prozess beruht auf Fachstandards, Erfahrung und reflektiertem Urteil.

Was aber, wenn Forschungsschritte digital gesteuert werden oder sogar (teil-)automatisiert ablaufen? Die Digital Humanities haben unter anderem quantitative Verfahren etabliert, bei denen nicht die manuelle Durchsicht von Forschungsmaterial am Anfang steht, sondern die statistische Auswertung modellierter Daten – an die erst menschliche Interpretation anknüpft. Wenn aber Wissenschaftler*innen Systeme (mit-)entscheiden lassen über die Datengrundlage ihrer Forschung: Ist das eine Gefahr für ihre Autonomie? Tritt das Forschungssubjekt nach und nach in den Hintergrund oder müssen wir die Rollen und Konturen wissenschaftlicher Akteure eher neu schärfen? Einerseits sind Modellierungen und eingesetzte Algorithmen selbst menschengemacht, andererseits ist nicht immer jeder computergestützte Rechenschritt im Detail nachzuvollziehen.

Besonders dringlich stellen sich diese Fragen in Bezug auf den Einsatz von KI: Zwar kann der sogenannte Human-in-the-Loop - also die gezielte menschliche Steuerung durch kompetente Anfragen an KI-Systeme - die Qualität generierter Ergebnisse erheblich beeinflussen. Dennoch bleibt der Spielraum für die Ergebnisgenerierung vorgegeben, und zwar durch die meist intransparenten Trainingsdaten großer Sprachmodelle. Auch zu fragen ist, wie abhängig wir uns von Systemen privatwirtschaftlicher Unternehmen machen möchten, auf deren Entwicklung wir kaum Einfluss nehmen können.

Diese und weitere Aspekte berühren die Autonomie des Menschen im Forschungsprozess. Fragen nach den Herausforderungen, Möglichkeiten und möglichen Rollenverschiebungen in den Geisteswissenschaften werden daher im Mittelpunkt des DH-Tags 2026 der Universität Münster stehen. Die Veranstaltung richtet sich an alle digitalen Geisteswissenschaftler*innen: Forschende und Studierende.

Christian Wachter
Anmeldung
Participants
    • 09:30 10:00
      Begrüßung und Grußworte

      • Begrüßung durch Dr. Christian Wachter, (SCDH Münster)
      • Vorstellung des Programms
      • Grußworte: Rektorat der Universität Münster / CDH-Sprecher Prof. Dr. Jan Keupp / Stellvertretender ULB-Direktor Jörg Lorenz

    • 10:00 11:00
      Keynote 1 h

      Denken trotz Prompt? Epistemologische Souveränität als Aufgabe der Digital Humanities
      Die Frage nach der Autonomie im Forschungsprozess ist keine abstrakte: Sie stellt sich täglich, wenn wir Geisteswissenschaftler:innen uns entscheiden, was ein Algorithmus – oder heute spezifischer: eine generative künstliche Intelligenz – für uns tun soll und was gerade nicht. Promptotyping, Vibe Coding und Agentic Development machen umfangreiche Auswertungen, Visualisierungen und Vermittlungsansätze auf Zuruf möglich; Big Data ist durch die Digitalisierungsbemühungen von Bibliotheken, Archiven und Museen in unseren Disziplinen angekommen.
      Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht nur in der Infrastruktur, sondern im Denken: Wie lassen sich epistemologische Standards aufrechterhalten, wenn Workflows schwer nachvollziehbar und Trainingsdaten intransparent sind? Der Beitrag argumentiert, dass für die Digital Humanities weniger die Frage des Toolings im Vordergrund steht als die konsequente Engführung von Datenaufbereitung, -analyse und -auswertung, selbstredend verbunden mit reflektierten, offengelegten und nachnutzbaren Vorgehensweisen im Sinne von FAIR.
      Anhand von Beispielen aus den Berner Digital Humanities wird gezeigt, wie ein kritisch-souveräner Umgang mit KI-gestützten Möglichkeiten aussehen kann und gleichzeitig welche Rolle Re-Usability dabei nicht nur als Kontrollmechanismus, sondern als Form der Wissensvermittlung und -speicherung spielt.

      Sprecher: Prof. Dr. Tobias Hodel (Universität Bern)
    • 11:15 11:50
      AG-Vorstellungen 35m

      • 3D
      • GIS
      • Datenmodelle
      • Programmierung
      • TEI
      • Textanalyse mit LLMs
      • Texterkennung
      • Wissenschaftskommunikation

    • 12:00 13:00
      CDH-Mitgliederversammlung

      (nur für Mitglieder)

    • 13:00 14:00
      Mittagspause
    • 14:00 15:00
      Open Space: Digital Humanities: Human Autonomy?

      Offenes Diskussionsformat mit Thementischen
      In lockerer Atmosphäre und wechselnden Kleingruppen diskutieren wir bei einem Worldcafé die Leitfragen des DH-Tags: Inwiefern verschieben digitale Methoden und KI das Rollenverständnis geisteswissenschaftlicher Akteure? Wie kann in Zukunft der Stellenwert menschlichen Interpretierens behauptet werden – und wo geben wir womöglich Autonomie aus der Hand? Betreffen diese Fragen nicht nur wissenschaftliche Praktiken, sondern auch unsere Infrastrukturen und weitere Rahmenbedingungen für die Forschung? An mehreren Thementischen sind alle Teilnehmenden eingeladen, eigene Erfahrungen, Fragen und Perspektiven einzubringen.

    • 15:00 15:15
      Abschluss

      Zusammenfassung und Verabschiedung