Welcher Luther? Wessen Politik? Luther als nationale Ikone und als spätmittelalterlicher Theologe
Vortragssaal (alte Kapelle) im alten Hüfferstift
Campus der Theologien und religionsbezogenen Studien
Welches Lutherbild prägt Deutschland, und wem nützt es? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Dr. Dr. h.c. Christine Helmer, einer bedeutenden Luther-Forscherin der Gegenwart, die im Dezember zu Gast in Münster ist.
Den Anlass liefert eine aktuelle Debatte: Ein kürzlich im Economist erschienener Artikel beleuchtet die bildungspolitischen Pläne der AfD in Sachsen-Anhalt. Die Partei lehnt das bestehende Verhältnis von Kirche und Staat offenbar ab, will aber zugleich Luther als zentrale Figur für Partei und Bundesland etablieren. Wie passt das zusammen?
Christine Helmer zieht Bilanz über den „deutschen Luther"; eine Figur, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von deutschen Forschern geschaffen wurde, in einer Zeit, in der Deutschland als Nationalstaat Gestalt annahm, zwei Weltkriege folgten, Antisemitismus und Nationalismus zunahmen und sich die weltpolitische Ordnung veränderte. Ihm stellt die Referentin ein anderes Lutherbild gegenüber, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler außerhalb Deutschlands in den vergangenen drei Jahrzehnten entwickelt haben. Dieser Luther erscheint mittelalterlich, katholisch geprägt und philosophisch scharfsinnig. Er lässt sich nicht für nationalistische Zwecke einspannen. Es ist an der Zeit, dass dieses Bild auch hierzulande bekannt wird.
Christine Helmer ist „Peter-B.-Ritzma“-Professorin für Geisteswissenschaften an der Northwestern University in Evanston, Illinois, und lehrt dort zugleich Germanistik und Religionswissenschaft. Sie hat wichtige grundlegende Bücher über Luther und die lutherische Theologie veröffentlicht.
Ihr Vortrag kann stattfinden dank der großzügigen Unterstützung des Stiftungsfonds Luther-Studien und seinem Stifter Wilhelm Julius Bobbert.