Sprecher
Beschreibung
Hinweis: Eine Anmeldung zu diesem Workshop erfolgt separat per E-Mail unter veranstaltungen.pta-kiju@uni-muenster.de
Zukunftsorientierte Psychotherapie erfordert eine methodische Neuausrichtung: weg von störungsspezifischen Ansätzen, hin zu transdiagnostischen Interventionen, auch um den hohen Komorbiditätsraten von Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden. Ziel ist es, störungsübergreifende Mechanismen kurz und wirksam in der ambulanten Psychotherapie zu adressieren. Daher gibt es ein steigendes Interesse am Einsatz von wirksamen transdiagnostischen Interventionen, wie dem Unified Protocol for Adolescents1 (UP-A). Das UP-A ist ein transdiagnostisches, kognitiv-verhaltens-therapeutisches Behandlungsmanual, das entwickelt wurde, um verschiedene psychische Störungen, insbesondere internalisierende Störungen, zu behandeln, unabhängig von der spezifischen Diagnose. Die Grundannahme des UP-A ist, dass verschiedene psychische Störungen gemeinsame Ursachen und Aufrechterhaltungs-prozesse haben wie eine maladaptive Emotionsregulation.
In der Psychotherapieambulanz für Kinder und Jugendliche (PTA KiJu) der Universität Münster wurde das deutschsprachige UP-A2 für den Einsatz in der ambulanten Psychotherapie adaptiert3. Die Adaptationen, die anhand eines wissenschaftlichen Frameworks4 vorgenommen wurden, umfassten u.a. eine Verkürzung auf 12 Sitzungen, eine Anpassung der inhaltlichen Module, Kurzbeschreibungen für Bezugspersonen und die Beteiligung von Studierenden. Das adaptierte deutschsprachige UP-A wird seit Juni 2024 in der PTA KiJu für Jugendliche (Alter 13-17 Jahre) mit internalisierenden psychischen Störungen durchgeführt und hinsichtlich der Machbarkeit und der Wirkmechanismen überprüft. Die Modulinhalte werden in 8 Einzelstunden und zwei Doppelstunden von approbierten Kinder- und Jugendlichen-psychotherapeutinnen durchgeführt. Die Studierenden gestalten die Therapiestunden aktiv mit.
Der Workshop bietet einen vertieften Einblick in die transdiagnostischen Interventionen, indem er theoretisches Wissen mit praktischen Anwendungen verbindet und somit die Teilnehmerinnen befähigt, diese Behandlungsstrategie für diese Zielgruppe einzusetzen.
Inhalte des Workshops:
1) Die Transdiagnostische Kurzeitintervention (TradiKi) und ihre inhaltlichen Module werden anhand von Fallbeispielen aus der PTA KiJu vorgestellt. Zusätzlich können eigene Fallbeispiele in Kleingruppenübungen integriert und so vertieft werden.
2) Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu meta-analytischen Befunden zum UP-A5, sowie zu ersten Ergebnisse einer clinical case series werden aufgezeigt.
3) Die Herausforderungen, aber auch Chancen, in dieser besonderen Konstellation, die Studierenden den therapeutischen Prozess aktiv mitgestalten zu lassen, soll erläutert werden.
4) In einer abschließenden gemeinsamen Diskussion freuen wir uns, von Ihrem erfahrenen Blick zu profitieren, um die transdiagnostische Kurzeitintervention auch mit Hilfe Ihrer Anregungen stetig weiter zu entwickeln.
Literatur/ Publikationen
(1) Ehrenreich-May, J., Kennedy, S. M., Sherman, J. A., Bilek, E. L., Buzzella, B. A., Bennett, S. M., & Barlow, D. H. (2018). Unified Protocols for the Transdiagnostic Treatment of Emotional Disorders in Children and Adolescents: Therapist guide. Oxford University Press.
(2) Gutzweiler, R., Schwarz, D. & In-Albon, T. (2020). Transdiagnostische Behandlung emotionaler Störungen bei Jugendlichen mit dem Unified Protocol: Eine Fallstudie. Verhaltenstherapie, 31(2), 143–151. https://doi.org/10.1159/000508454
(3) Jesussek, A.-L., Feneberg, A. C., Silkenbeumer, J., Salditt, M., Nestler, S., In-Albon, T., & Hechler, T. (2025). Feasibility Trial of an Adapted Version of the German Unified Protocol for Adolescents (UP-A) in a University Psychotherapy Outpatient Clinic for Children and Adolescents [Registration]. https://doi.org/10.17605/OSF.IO/9C7AJ
(4) Stirman, S. W., Baumann, A. A., & Miller, C. J. (2019). The FRAME: An expanded framework for reporting adaptations and modifications to evidence-based interventions. Implementation Science, 14(1), 58. https://doi.org/10.1186/s13012-019-0898-y
(5) Schäpermeier, M., Jesussek, A.-L., Kirchheer, J., Monninger, M., Feneberg, A.C., Hechler, T. (2025). The efficacy of the unified protocol for emotional disorders in children and adolescents: A systematic review and meta-analysis. Journal of Affective Disorders Reports, 22. https://doi.org/10.1016/j.jadr.2025.100970
Kurzporträt der Referentin:
Dipl. Psych. Marion Grumbach-Wendt ist approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (fachkunde VT) mit eigener Praxis in Münster. Seit 2022 arbeitet sie als Lehrtherapeutin an der Universität Münster, angegliedert an die Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie für Kinder und Jugendliche (Leitung: Prof. Dr. Tanja Hechler), Institut für Psychologie, Fachbereich 07. Die lehrtherapeutischen Aufgaben beinhalten in der Ausbildung der Studierenden als angehende Psychotherapeut*innen sowohl die Durchführung ambulanter Psychotherapien für Kinder und Jugendliche, als auch Lehre, Supervision und Selbsterfahrung mit den Studierenden.