Sprecher
Beschreibung
Persistierende Körperbeschwerden führen regelmäßig die weltweiten Rankings zu den Hauptursachen von krankheitsbezogenem Leid und eingeschränkter Lebensqualität an. Auf Grund eines tief verwurzelten Leib-Seele-Dualismus innerhalb unseren Gesundheitssystems stehen körperliche Beschwerden im Vergleich zu kognitiven und emotionalen Veränderungen jedoch vergleichsweise selten im Fokus der Klinischen Psychologie und Psychotherapie. Innerhalb des Vortrags werden neben prototypischen Erscheinungsformen aktuelle Modelle und Mechanismen des körperlichen Beschwerdeerlebens thematisiert. Die Perspektive ist hierbei transdiagnostisch und auf der Kontinuumshypothese psychopathologischer Phänomene basierend. Aktuelle Erkenntnisse im Bereich der korrelativen und experimentellen psychopathologischen Forschung legen eine enge Verbindung aus somatischen, emotionalen und motivationalen Informationsverarbeitungsprozessen nahe. Diese Erkenntnisse münden in ein hypothetisches perzeptuelles Modell des somatischen Beschwerdeerlebens (basierend auf dem Rahmenmodell der aktiven Inferenz), das neue Vorhersagen bezüglich zentraler Determinanten und die Ableitung innovativer Interventionsmöglichkeiten erlaubt. Die dargestellten Erkenntnisse im Vortrag basieren aus Forschung an Erwachsenen und können als Grundlage für eine Übertragung auf betroffene Kinder und Jugendliche dienen.
Kurzporträt des Referenten:
Michael Witthöft ist Universitätsprofessor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Ruhr-Universität Bochum. Er leitet die psychotherapeutische Hochschulambulanz und die postgradualen Aus- und Weiterbildungen für Psychologische Psychotherapie im Erwachsenenalter am Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit (FBZ) in Bochum. Nach seinem Studium der Psychologie und Promotion (Universität Mannheim und Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim) war er wissenschaftlich unter anderem an der Universität Mannheim, (Vertretung der Professur für Gesundheitspsychologie), an der Johannes Gutenberg-Universität Main (Professor für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Experimentelle Psychopathologie) sowie international am King's College London (DAAD gefördert) tätig. Diese Stationen prägten seine interdisziplinäre und international ausgerichtete Forschungsperspektive. Seine wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich auf die Entstehung, Aufrechterhaltung und Behandlung persistierender körperlicher Beschwerden sowie auf psychologische Mechanismen der Symptomwahrnehmung, -bewertung und -verarbeitung. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf transdiagnostischen Modellen körperlicher Beschwerdebelastung, lern- und kognitionspsychologischen Erklärungsansätzen sowie der Entwicklung und Evaluation evidenzbasierter psychotherapeutischer Interventionen. Prof. Witthöft ist international ausgewiesen durch zahlreiche Publikationen in führenden Fachzeitschriften und durch seine Mitarbeit an nationalen und internationalen Forschungsverbünden. Neben seiner Forschung engagiert er sich intensiv in der Lehre und der Ausbildung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Michael Witthöft hat in diversen Leitlinien zur Behandlung chronischer körperlicher Beschwerden mitgewirkt (z.B. im Bereich funktionelle Störungen, frühe rheumatoide Arthritis, Post-COVID). Set 2025 ist Michael Witthöft Vertreter des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) innerhalb der DZG Arbeitsgruppe Post/Long Covid.